2000
Ein
neues Jahr... ein neues Jahrhundert... ein neues Jahrtausend... und ein
völlig neues Leben begannen mit dem Jahr 2000. Bis zur Diagnose sollte
es noch eine Zeit lang dauern. Anfang des Jahres fühlte ich mich
allgemein schlapp. Kopfschmerzen und Herzrasen veranlassten
mich dazu einen Arzt aufzusuchen. Gino, einem guten Freund und
damaligen Arbeitskollegen fiel auf, dass ich beim Gehen öfters
stolperte. So blöd es klingt, mir selber fiel es nicht auf. Ich sorgte
mich mehr um mein Herzrasen. So saß ich nun bei meinem Hausarzt, der
ein Langzeit-EKG anordnete. Die Auswertung des EKGs ergab, dass ich
eine Herzfrequenz von über 126 hatte. Dies sei normal, wenn man sich
schnell bewegt. Ich versuchte ihm klarzumachen, dass ich unter Garantie
an keinem Wettlauf teilgenommen hatte und dass mein Herz bei der
kleinsten Anstrengung zu rasen beginnt. Selbst der Weg vom Sofa ins Bad
war eine enorme Herausforderung. Mit den Worten "Sie sind völlig
gesund. Wenn Sie meinen, dass Sie krank sind, sollten Sie einen
Psychiater aufsuchen. Ich verschreibe Ihnen Betablocker."
Betablocker? Gesund? Hä? Ich tat, wie mir der Halbgott in weiß befahl,
und nahm morgens eine halbe Betablocker. Bei der Teilung dieser
winzigen Tablette in zwei Hälften brach ich mir fast die Finger. Nun
denn, ich machte mich auf den Weg zur Arbeit. Es gab keine Ampeln,
keine Autos, keine Treppen. Wie auf Wolken, in völlig anderen Sphären,
bewegte ich meinen gesunden Körper durch den Düsseldorfer Hauptbahnhof.
Autos hupten mir freundlich zu, grüne und rote Lichter an großen
stählernen Pfählen erhellten mir den Weg, die Straßenbahn schlich
treppenlos über den Asphalt. Ich fiel in die Bahn und auf selbem Wege
auch wieder hinaus. Obwohl ich früh genug losging, kam ich zu spät zur
Arbeit, da ich mein Büro nicht fand. Gino schickte mich postwendend
zurück zum Arzt. Dieser fand meine Reaktion auf die Tabletten völlig
ungerechtfertigt. Es sei jetzt wirklich an der Zeit einen Psychiater
aufzusuchen. Wohlgemerkt Psychiater, nicht Psychologe! Mein Herzrasen
und ich einigten uns darauf, von hastigen Bewegungen Abstand zu nehmen,
bis mir eine Kollegin einen anderen Arzt empfahl. Nun saß ich bei dem
Internisten und erzählte von meinen Beschwerden und erwähnte beiläufig,
dass ich wohl allergisch gegen Betablocker sei. "Betablocker? Wollte
der sie umbringen?" Mein Herz wurde geröntgt, ein Belastungs-EKG wurde
gemacht, aber auch hier fehlte eine Diagnose. Ich tauschte die
Betablocker gegen Traubenzucker ein und versuchte weiterhin, mich mit
meinem körperlichen Zustand zu arrangieren.
Freitag, 18. August
Um 5:45 klingelte der Wecker, wie immer. Ich stand auf und stellte fest, dass mein rechtes Bein es vorzog, weiterzuschlafen. Jeder kennt das Gefühl, wenn einem der Fuß einschläft. Man versucht alles Mögliche um es aus seinem Koma zu klopfen. Doch selbst eine kalte Dusche brachte nicht den gewünschten Erfolg. Ich ließ mich nicht weiter beeindrucken und machte mich auf den Weg zur Arbeit. Ich trinke zuviel Kaffee, ich rauche und meine Ernährung lässt zu wünschen übrig. Das wird es sein, im Laufe des Tages wird sich das wieder legen. Mein Bein schlief durch, während ich durch den Tag humpelte.
Samstag, 19. August
Ausschlafen war angesagt. Mein Bein nahm das wörtlich und wachte auch an diesem Tag nicht auf. Mein rechter Torso schien eine gewisse Eifersucht zu entwickeln und schloss sich meinem rechten Bein an. Ein fieses Gefühl, Körperstellen zu waschen, die gefühlsmäßig gar nicht existierten.
Sonntag, 20. August
Mit ein paar Freunden fuhren wir nach Krefeld, um dem Auftritt der Gospelgruppe Vayrocana beizuwohnen. Im Stadtwald angekommen, waren auch schon meine Mutter und einige Freunde vor Ort. Wir hatten Glück mit dem Wetter und saßen bei strahlendem Sonnenschein draußen und lauschten der Musik. Eine Freundin meiner Mutter sprach mich auf meine merkwürdige Gangart an. Ich erklärte ihr, dass Bein und Torso taub waren. "Du hast aber auch immer was." Ich zuckte mit den Schultern und setzte meinen Weg zur Toilette fort. Dort angekommen, fiel meine rechte Gesichtshälfte in einen tiefen Schlaf. Britta, eine Freundin, ihres Zeichens Krankenschwester, befahl mir, sofort einen Arzt aufzusuchen.
Montag, 21. August
Ich rief auf der Arbeit an und teilte Gino mit, dass ich etwas später kommen würde. Ich müsste erst zum Arzt. Da ich nicht genau wusste, welchen Arzt man mit eingeschlafenen Körperteilen aufsucht, entschied ich mich für meinen netten Internisten. Das Laufen wurde immer anstrengender, ich hatte Mühe in die Bahn zu kommen. Der Arzt machte diverse Untersuchungen, die in mir den Eindruck erweckten, er hätte was getrunken. Ich sollte hüpfen. Nichts leichter als das...dachte ich. Ich kam nicht von der Stelle. Ich sollte mit dem Zeigefinger der rechten Hand meine Nasenspitze berühren. Ich schaute ihn müde lächelnd an und stach mir beinahe das Auge aus. Im Liegen sollte ich mit dem rechten Fuß an meinem linken Bein hinunterrutschen. Klingt einfach. Im Normalzustand wäre es das auch gewesen. Er überwies mich in die Neurologie der Uniklinik Düsseldorf. Nachdem ich ihm mitgeteilt hatte, dass ich mit der Bahn hier war, packte er sich an den Kopf und rief mir ein Taxi. Über die Kosten solle ich mir keine Gedanken machen, das übernehme die Kasse. "Mensch, Mädchen, mach keinen Scheiß." das waren seine Worte zum Abschied. Nun saß ich zuhause und rief als Erstes Marina an (meine Ex-Freundin, mit der ich immer noch zusammen wohnte). Sie kam sofort nachhause um mich ins Krankenhaus zu fahren. Da die Uniklinik riesengroß ist, rief ich an, um mich nach dem genauen Weg zu erkundigen. Unfreundlich wurde ich mit den Worten abgeschmettert: "Ein Internist kann Sie nicht auf die Neurologie überweisen, das muss ein Neurologe machen. Wir können Sie nicht aufnehmen." Ich rief meinen Internisten an, um ihm zu sagen, dass er kein Neurologe sei. Diese Tatsache versetzte ihn in Rage. Ein neuer Neurologe in der Düsseldorfer Altstadt gab mir umgehend einen Termin und überwies mich - jedoch nicht in die Uniklinik - sondern ins Marien-Hospital. Selbst Patienten, die er als Neurologe in die Uniklinik überwies, würden teilweise abgelehnt. Er und mein Internist telefonierten miteinander und schmiedeten gemeinsam Pläne. Was letzten Endes dabei herauskam, weiß ich leider nicht. Nachdem der Tag schon fast rum war, saßen Marina und ich spät am Abend im Marien-Hospital. Nachdem ich nun zum dritten Mal an diesem Tag vergebens versuchte, mir das Auge auszustechen, an meinem eigenen Bein runterzurutschen und mit der Leichtigkeit eines 50kg Mehlsackes zu hüpfen, wurde ein CT gemacht. Auf dem Bildschirm sah ich mein Gehirn, was für eine Erleichterung. Zugegebenerweise sah ich mein Gehirn nicht allzuoft und fragte mich, ob weiße Flecken da hineingehören. Die Ärztin meinte, dass ein Schlaganfall auszuschließen sei. Beruhigend. Auf die weißen Flecken ging sie nicht ein und ich beschloss, dass das normal sei. Da ich keine Lust hatte, die Nacht auf dem Flur der Neurologie zu verbringen, fuhren wir nachhause und kamen am nächsten Tag wieder.
22. August bis 29. August
Untersuchungen:
extrakranielle Dopplersonografie, transkranielle Dopplersonografie, SEP, VEP, AEP, EKG, Schädel-CT, Schädel-MRT, EEG, Liquor
Liquor...
Das Rückenmark wird von einer Flüssigkeit (Liquor, oder auch Hirnwasser) umspült, welche mit einer speziellen Spritze der Region der lumbalen (unteren) Lendenwirbelsäule entnommen wird

Liquorpunktion
Labortests können dabei helfen, weitere Anhaltspunkte für die MS zu finden. Eine Möglichkeit ist die Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit (Liquor). Damit der Arzt mit Hilfe einer Spritze diese Flüssigkeit entnehmen kann (Liquorpunktion), müssen Sie sich sitzend nach vorne beugen.
Die Liquorpunktion kann bei der Diagnose einer möglichen MS helfen. Mit dem Liquor kann man verschiedene Untersuchungen durchführen, welche auf eine MS-Aktivität weisen können.
Bei 90 Prozent der MS-Patienten finden sich Zeichen für MS in der Rückenmarksflüssigkeit. Zusammen mit den klinischen Symptomen und weiteren Testresultaten kann ein positiver Liquortest dabei helfen, die Diagnose MS zu bekräftigen oder zu verwerfen. Nicht alle MS-Betroffenen weisen aber einen positiven Liquortest auf.
Um 5:45 klingelte der Wecker, wie immer. Ich stand auf und stellte fest, dass mein rechtes Bein es vorzog, weiterzuschlafen. Jeder kennt das Gefühl, wenn einem der Fuß einschläft. Man versucht alles Mögliche um es aus seinem Koma zu klopfen. Doch selbst eine kalte Dusche brachte nicht den gewünschten Erfolg. Ich ließ mich nicht weiter beeindrucken und machte mich auf den Weg zur Arbeit. Ich trinke zuviel Kaffee, ich rauche und meine Ernährung lässt zu wünschen übrig. Das wird es sein, im Laufe des Tages wird sich das wieder legen. Mein Bein schlief durch, während ich durch den Tag humpelte.
Samstag, 19. August
Ausschlafen war angesagt. Mein Bein nahm das wörtlich und wachte auch an diesem Tag nicht auf. Mein rechter Torso schien eine gewisse Eifersucht zu entwickeln und schloss sich meinem rechten Bein an. Ein fieses Gefühl, Körperstellen zu waschen, die gefühlsmäßig gar nicht existierten.
Sonntag, 20. August
Mit ein paar Freunden fuhren wir nach Krefeld, um dem Auftritt der Gospelgruppe Vayrocana beizuwohnen. Im Stadtwald angekommen, waren auch schon meine Mutter und einige Freunde vor Ort. Wir hatten Glück mit dem Wetter und saßen bei strahlendem Sonnenschein draußen und lauschten der Musik. Eine Freundin meiner Mutter sprach mich auf meine merkwürdige Gangart an. Ich erklärte ihr, dass Bein und Torso taub waren. "Du hast aber auch immer was." Ich zuckte mit den Schultern und setzte meinen Weg zur Toilette fort. Dort angekommen, fiel meine rechte Gesichtshälfte in einen tiefen Schlaf. Britta, eine Freundin, ihres Zeichens Krankenschwester, befahl mir, sofort einen Arzt aufzusuchen.
Montag, 21. August
Ich rief auf der Arbeit an und teilte Gino mit, dass ich etwas später kommen würde. Ich müsste erst zum Arzt. Da ich nicht genau wusste, welchen Arzt man mit eingeschlafenen Körperteilen aufsucht, entschied ich mich für meinen netten Internisten. Das Laufen wurde immer anstrengender, ich hatte Mühe in die Bahn zu kommen. Der Arzt machte diverse Untersuchungen, die in mir den Eindruck erweckten, er hätte was getrunken. Ich sollte hüpfen. Nichts leichter als das...dachte ich. Ich kam nicht von der Stelle. Ich sollte mit dem Zeigefinger der rechten Hand meine Nasenspitze berühren. Ich schaute ihn müde lächelnd an und stach mir beinahe das Auge aus. Im Liegen sollte ich mit dem rechten Fuß an meinem linken Bein hinunterrutschen. Klingt einfach. Im Normalzustand wäre es das auch gewesen. Er überwies mich in die Neurologie der Uniklinik Düsseldorf. Nachdem ich ihm mitgeteilt hatte, dass ich mit der Bahn hier war, packte er sich an den Kopf und rief mir ein Taxi. Über die Kosten solle ich mir keine Gedanken machen, das übernehme die Kasse. "Mensch, Mädchen, mach keinen Scheiß." das waren seine Worte zum Abschied. Nun saß ich zuhause und rief als Erstes Marina an (meine Ex-Freundin, mit der ich immer noch zusammen wohnte). Sie kam sofort nachhause um mich ins Krankenhaus zu fahren. Da die Uniklinik riesengroß ist, rief ich an, um mich nach dem genauen Weg zu erkundigen. Unfreundlich wurde ich mit den Worten abgeschmettert: "Ein Internist kann Sie nicht auf die Neurologie überweisen, das muss ein Neurologe machen. Wir können Sie nicht aufnehmen." Ich rief meinen Internisten an, um ihm zu sagen, dass er kein Neurologe sei. Diese Tatsache versetzte ihn in Rage. Ein neuer Neurologe in der Düsseldorfer Altstadt gab mir umgehend einen Termin und überwies mich - jedoch nicht in die Uniklinik - sondern ins Marien-Hospital. Selbst Patienten, die er als Neurologe in die Uniklinik überwies, würden teilweise abgelehnt. Er und mein Internist telefonierten miteinander und schmiedeten gemeinsam Pläne. Was letzten Endes dabei herauskam, weiß ich leider nicht. Nachdem der Tag schon fast rum war, saßen Marina und ich spät am Abend im Marien-Hospital. Nachdem ich nun zum dritten Mal an diesem Tag vergebens versuchte, mir das Auge auszustechen, an meinem eigenen Bein runterzurutschen und mit der Leichtigkeit eines 50kg Mehlsackes zu hüpfen, wurde ein CT gemacht. Auf dem Bildschirm sah ich mein Gehirn, was für eine Erleichterung. Zugegebenerweise sah ich mein Gehirn nicht allzuoft und fragte mich, ob weiße Flecken da hineingehören. Die Ärztin meinte, dass ein Schlaganfall auszuschließen sei. Beruhigend. Auf die weißen Flecken ging sie nicht ein und ich beschloss, dass das normal sei. Da ich keine Lust hatte, die Nacht auf dem Flur der Neurologie zu verbringen, fuhren wir nachhause und kamen am nächsten Tag wieder.
22. August bis 29. August
Untersuchungen:
extrakranielle Dopplersonografie, transkranielle Dopplersonografie, SEP, VEP, AEP, EKG, Schädel-CT, Schädel-MRT, EEG, Liquor
Liquor...
Das Rückenmark wird von einer Flüssigkeit (Liquor, oder auch Hirnwasser) umspült, welche mit einer speziellen Spritze der Region der lumbalen (unteren) Lendenwirbelsäule entnommen wird

Liquorpunktion
Labortests können dabei helfen, weitere Anhaltspunkte für die MS zu finden. Eine Möglichkeit ist die Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit (Liquor). Damit der Arzt mit Hilfe einer Spritze diese Flüssigkeit entnehmen kann (Liquorpunktion), müssen Sie sich sitzend nach vorne beugen.
Die Liquorpunktion kann bei der Diagnose einer möglichen MS helfen. Mit dem Liquor kann man verschiedene Untersuchungen durchführen, welche auf eine MS-Aktivität weisen können.
Bei 90 Prozent der MS-Patienten finden sich Zeichen für MS in der Rückenmarksflüssigkeit. Zusammen mit den klinischen Symptomen und weiteren Testresultaten kann ein positiver Liquortest dabei helfen, die Diagnose MS zu bekräftigen oder zu verwerfen. Nicht alle MS-Betroffenen weisen aber einen positiven Liquortest auf.
Niemand jagt mir jemals wieder in meinem ganzen Leben ungestraft eine Nadel in den Rücken!
"Das tut nicht weh, Frau Pellen. Keine Angst.", so sprach der Arzt, während ich auf der Liege saß und mich vornüber beugte. "Soll ich Ihnen die Spritze zeigen?". Bevor die Frage ausgesprochen war, antwortete ich, "Nein". Doch ehe ich es mich versah, hatte ich die Nadel auch schon vor Augen. Eine weitere Ärztin stand vor mir und bat ihre Hände und Arme zum Reinbeißen an. Nett, wirklich nett, mir so was anzubieten, wenn diese Untersuchung doch so gar nicht weh tut.
Die Nadel wurde eingeschoben und wieder ein Stückchen raus, das ganze Spielchen wurde ca. 10 Mal wiederholt. Ich bin, weiß Gott, kein Weichei, aber mir liefen vor Schmerz die Tränen hinunter. Die nette Ärztin streichelte mir über die Schultern und warf ihrem Kollegen einen fragenden Blick zu. Endlich zog er die Nadel aus meinem Rücken. "Hat leider ein bisschen länger gedauert. Ich musste die Nadel ein paar Mal hin- und herschieben. Sie haben sehr harte Bande (?). Treiben Sie viel Sport?". War das jetzt ein Kompliment? Meine einzige sportliche Betätigung, seit ich in Düsseldorf wohnte, war, den Straßenbahnen und Bussen nachzujagen.
Das Marien-Hospital
Eine Klinik, die man nur empfehlen kann.
Hiermit möchte ich meinen Dank an die Schwestern und die Ärzte der Neurologie aussprechen!
Selten habe ich eine Station erlebt, auf der das Pflegepersonal die Patienten nicht wie Nummern behandelt.
Meine Symptome:
Die rechte Körperhälfte war – gefühlsmäßig - nicht mehr vorhanden. Somit knickte ich mit dem rechten Bein dermaßen ein, dass das Knie beim Gehen schon fast den Boden berührte. Ich weiß gar nicht, wie oft es vorkam, dass ich morgens beim Aufwachen einen Riesenschreck bekam. Mein rechter Arm lag über meinem Kopf und eine wildfremde Hand baumelte vor meinen Augen, die ich schnellstens mit meinem linken Arm beiseite warf. Bis ich dann irgendwann registriert habe, dass dieser Arm mir gehörte.
Man stellte mir einen Rollstuhl zur Verfügung, den ich alleine nur schwerlich bewegen konnte, da mir ja ein Arm "fehlte".
Am 29. August wurde ich entlassen. Ohne Diagnose.
Die Untersuchungsergebnisse der Lumbalpunktion lagen noch nicht vor. Das Cortison schlug langsam an, und mein Gangbild war nicht mehr ganz so furchteinflößend. Eine ganze Woche musste ich noch warten.
06. September
Nun endlich war es soweit. Marina und ich fuhren ins Krankenhaus. Während Marina auf dem Flur wartete, saß ich im Ärztezimmer, der Stationsärztin und dem Oberarzt gegenüber. Kurzes betroffenes Schweigen, dann endlich wurde mir eröffnet: "Frau Pellen, es tut uns leid Ihnen das sagen zu müssen..." - so einen Satz hört man nicht gerne aus dem Mund eines Arztes - "Sie haben Multiple Sklerose."
Ich schluckte kurz durch. "Die Krankheit ist nicht heilbar, aber heutzutage stirbt man nicht mehr daran, und es muss auch nicht zwingend im Rollstuhl enden. Der Verlauf der Krankheit ist so unterschiedlich wie die Symptome." Na wunderbar, ich wollte schon immer eine individuelle Krankheit haben. Die Krankheit mit den tausend Gesichtern, das war alles, was ich von der MS wusste. Wie wahr dieser Satz war, begriff ich erst in den folgenden Jahren. Man überreichte mir allerlei Infomaterial, über Selbsthilfegruppen, der DMSG und Interferone.
05. Oktober
An diesem Tag war der Schub komplett ausgeheilt. Ich konnte wieder vernünftig laufen.
06. Oktober
Pünktlich zu meinem 29. Geburtstag bekam ich einen zweiten Schub. Gleiche Symptomatik wie beim ersten, nur war diesmal die komplette linke Körperhälfte betroffen. Hinzu kam, dass ich heißes Wasser als kalt empfand und kaltes Wasser als heiß.
"Das tut nicht weh, Frau Pellen. Keine Angst.", so sprach der Arzt, während ich auf der Liege saß und mich vornüber beugte. "Soll ich Ihnen die Spritze zeigen?". Bevor die Frage ausgesprochen war, antwortete ich, "Nein". Doch ehe ich es mich versah, hatte ich die Nadel auch schon vor Augen. Eine weitere Ärztin stand vor mir und bat ihre Hände und Arme zum Reinbeißen an. Nett, wirklich nett, mir so was anzubieten, wenn diese Untersuchung doch so gar nicht weh tut.
Die Nadel wurde eingeschoben und wieder ein Stückchen raus, das ganze Spielchen wurde ca. 10 Mal wiederholt. Ich bin, weiß Gott, kein Weichei, aber mir liefen vor Schmerz die Tränen hinunter. Die nette Ärztin streichelte mir über die Schultern und warf ihrem Kollegen einen fragenden Blick zu. Endlich zog er die Nadel aus meinem Rücken. "Hat leider ein bisschen länger gedauert. Ich musste die Nadel ein paar Mal hin- und herschieben. Sie haben sehr harte Bande (?). Treiben Sie viel Sport?". War das jetzt ein Kompliment? Meine einzige sportliche Betätigung, seit ich in Düsseldorf wohnte, war, den Straßenbahnen und Bussen nachzujagen.
Das Marien-Hospital
Eine Klinik, die man nur empfehlen kann.
Hiermit möchte ich meinen Dank an die Schwestern und die Ärzte der Neurologie aussprechen!
Selten habe ich eine Station erlebt, auf der das Pflegepersonal die Patienten nicht wie Nummern behandelt.
Meine Symptome:
Die rechte Körperhälfte war – gefühlsmäßig - nicht mehr vorhanden. Somit knickte ich mit dem rechten Bein dermaßen ein, dass das Knie beim Gehen schon fast den Boden berührte. Ich weiß gar nicht, wie oft es vorkam, dass ich morgens beim Aufwachen einen Riesenschreck bekam. Mein rechter Arm lag über meinem Kopf und eine wildfremde Hand baumelte vor meinen Augen, die ich schnellstens mit meinem linken Arm beiseite warf. Bis ich dann irgendwann registriert habe, dass dieser Arm mir gehörte.
Man stellte mir einen Rollstuhl zur Verfügung, den ich alleine nur schwerlich bewegen konnte, da mir ja ein Arm "fehlte".
Am 29. August wurde ich entlassen. Ohne Diagnose.
Die Untersuchungsergebnisse der Lumbalpunktion lagen noch nicht vor. Das Cortison schlug langsam an, und mein Gangbild war nicht mehr ganz so furchteinflößend. Eine ganze Woche musste ich noch warten.
06. September
Nun endlich war es soweit. Marina und ich fuhren ins Krankenhaus. Während Marina auf dem Flur wartete, saß ich im Ärztezimmer, der Stationsärztin und dem Oberarzt gegenüber. Kurzes betroffenes Schweigen, dann endlich wurde mir eröffnet: "Frau Pellen, es tut uns leid Ihnen das sagen zu müssen..." - so einen Satz hört man nicht gerne aus dem Mund eines Arztes - "Sie haben Multiple Sklerose."
Ich schluckte kurz durch. "Die Krankheit ist nicht heilbar, aber heutzutage stirbt man nicht mehr daran, und es muss auch nicht zwingend im Rollstuhl enden. Der Verlauf der Krankheit ist so unterschiedlich wie die Symptome." Na wunderbar, ich wollte schon immer eine individuelle Krankheit haben. Die Krankheit mit den tausend Gesichtern, das war alles, was ich von der MS wusste. Wie wahr dieser Satz war, begriff ich erst in den folgenden Jahren. Man überreichte mir allerlei Infomaterial, über Selbsthilfegruppen, der DMSG und Interferone.
05. Oktober
An diesem Tag war der Schub komplett ausgeheilt. Ich konnte wieder vernünftig laufen.
06. Oktober
Pünktlich zu meinem 29. Geburtstag bekam ich einen zweiten Schub. Gleiche Symptomatik wie beim ersten, nur war diesmal die komplette linke Körperhälfte betroffen. Hinzu kam, dass ich heißes Wasser als kalt empfand und kaltes Wasser als heiß.