2001


An meinem letzten Schub sollte ich lange Zeit Freude haben. Zwar spürte ich nach einiger Zeit meinen Körper wieder, nur wollte mein linkes Bein nicht so wie ich. In der Zwischenzeit hatte ich mit Rebif 22 angefangen, ein Interferon*, welches alle 3 Tage subkutan gespritzt wird. Leider sah ich mich außerstande mir die Spritzen selber zu setzen. Britta kam regelmäßig vorbei, um mich zu spritzen, wofür ich ihr überaus dankbar war und immer noch bin!


Die Nebenwirkungen waren wie folgt:


- Sprachlähmung

- schmerzhafte Spastiken

- Schüttelfrost

- Fieber


*Interferon beta-1a wird zur Behandlung der schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose eingesetzt. Es kann auch dann angewendet werden, wenn der schubförmige in einen stetig fortschreitenden Verlauf übergeht.


Interferone sind natürliche Botenstoffe unseres Körpers: mit ihrer Hilfe verständigen sich unterschiedliche Zellen des Immunsystems bei ihrem gemeinsamen Kampf gegen Feinde des Körpers wie Viren, Bakterien oder auch Krebszellen.


Ich hielt knapp 4 Monate durch, dann gab ich auf. Ich sah mit dieser Medikation keine Lebensqualität für mich. Sobald die Flüssigkeit in meinen Körper gelangte, brannte es wie Säure. Die Spritzen wurden wechselweise rechts und links neben dem Bauchnabel gesetzt. Als hier die Gewebsverhärtung eintrat, wechselten wir zu den Oberschenkeln, bis auch hier keine freien Einstichstellen mehr vorhanden waren.


Meine Neurologin verschrieb mir Rebif 44. Die Nebenwirkungen waren die gleichen. Ich erklärte, dass ich von Interferonen nun Abstand nehmen werde.

Ihre Reaktion:

„Frau Pellen, Sie spielen mit ihrem Leben! Was Sie sich da spritzen ist pures Gold.“

Das pure Gold wäre mir lieber gewesen.


Ich freue mich für die MS-Kranken, die die Vorzüge von Interferonen nebenwirkungsfrei(er) nutzen können.


Herbst

Ein weiterer Schub, der diesmal ohne jegliche Voranmeldung (kribbeln, Taubheitsgefühl, etc.) kam.


Meine damalige Partnerin, Chari, und ich saßen gemütlich vorm Fernseher. Ich unterbrach die Zweisamkeit, um die Örtlichkeiten aufzusuchen. Ich stand auf und fiel direkt zu Boden.

Grund: ich spürte meine Beine nicht mehr.


Nun war der Rollstuhl angesagt! Für mich war sonnenklar:


„Hier kommst du wieder raus! Das kann es nicht gewesen sein!“


Nach ca. 1-2 Monaten konnte ich mich ohne Rollstuhl, aber dafür mit 2 Stöcken, fortbewegen.


Dies war für Chari, die mich „humpelnd“ kennengelernt hatte (Überbleibsel des letzten Schubes), der erste Schub, den sie mitbekam.


Dienstag,18. Dezember - Ende Januar 2002

REHA-Maßnahme in der Wicker-Klinik Bad Wildungen


Dort versuchte man mir unter anderem beizubringen Treppen mit dem Rollstuhl zu überwinden.

Überraschenderweise konnte ich mich jedoch dazu nicht überwinden.

Viele Untersuchungen, viele Therapien und viele viele unheimlich liebe Patienten im Räucherhäuschen, in dem wir immer sehr viel Spaß zusammen hatten, es aber auch sehr emotionsreich war!

Eine bunte Mischung von Menschen mit den unterschiedlichsten „Erkrankungen“. Die Reha war in vielerlei Belangen bereichernd, nicht nur für mich. Trotzdem wäre ich lieber daheim gewesen, denn am dritten Tag erhielt ich den Anruf, dass meine geliebte Großmutter getorben war.

Somit ersuchte ich um „Freigang“, um zu der Beerdigung fahren zu können.

Am Tage der Beerdigung ging ein weiterer geliebter Mensch von uns.

(Als ich die Reha abgeschlossen hatte und wieder zu Hause war, verstarb ganz überraschend einer meiner geliebten Großonkel.)


Abschlussgespräch:

Vollberentung!


Ich sträubte mich dagegen und erklärte, dass ich zumindest versuchen möchte, halbe Tage zu arbeiten.


„Das werden Sie nicht schaffen.“

„Das werden wir dann ja sehen!“

„Ich kann das nicht befürworten.“

„Zumindest halbe Tage?!“

„Auch das halte ich für ausgeschlossen.“

„Ich will es zumindest versuchen!“

„Sobald Sie festgestellt haben, dass Sie das nicht schaffen, können Sie mich jederzeit anrufen.“

 

 

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2008 Daniela Pellen (Bauer)