2005


Sonntag, 18. Dezember - Ende Januar 2006

Der wohl erschreckendste Schub, den ich je hatte!!!
Chari und ich waren an diesem Tag unterwegs ins Uerdinger Schwimmbad.
Ich hatte das Gefühl, als ob ich irgendetwas im linken Auge hatte.
Somit rieb ich mir nen Wolf, bis das Auge knallrot war.
Da ich am Steuer saß, fuhr ich rechts ran, um diese vermeintliche Wimper zu entfernen.
Chari kontrollierte ihrerseits mein Auge und konnte keinen Fremdkörper ausmachen.
Wir wechselten die Plätze und fuhren wieder nach Hause, da das Schwimmbad leider geschlossen war.

Am nächsten Tag hatte sich das Auge immer noch nicht beruhigt. Jetzt kam hinzu, dass ich das Gefühl hatte, eine Art Schmierschicht im Auge zu haben.

Aber auch hier war optisch nichts auszumachen. Am nächsten Tag suchte ich meinen Hausarzt auf, der sich mit meinem Neurologen in Düsseldorf in Verbindung setzte. Mir blieb nichts anderes übrig, als am darauffolgenden Tag nach Düsseldorf zu fahren. Es ist nicht so, dass es in Krefeld keine Neurologen gibt, aber in Dr. Tomaschoff aus Düsseldorf hatte ich einen Arzt gefunden, dem ich vertraute. Ich wurde abermals ins Krankenhaus überwiesen. Meine Sehkraft war arg eingeschränkt. Mit dem linken Auge nahm ich alles durch eine Art grauen Nebel wahr.
Am Dienstag, 20. Dezember stand ich in meinem Lieblingskrankenhaus (Marien-Hospital Düsseldorf) auf der Matte.
Der Nebel war verschwunden... es wurde immer dunkler... es wurde schwarz... Ich wachte an diesem Morgen auf, spürte mein Auge nicht mehr, alles was ich mit diesem Auge noch sehen konnte, war... nichts... rein gar nichts...
Der Rollstuhl erschreckte mich nicht mehr, saß ich doch oft genug drin und kam jedesmal mit eisernem Willen wieder heraus, zumindest redete ich mir das ein. Doch wie trainiert man ein Auge? Hier konnte nur die Psyche weiterhelfen. Ich nahm meinen Laptop mit ins Krankenhaus und schrieb in der Zeit das Drehbuch zu

„...denn böse Menschen kennen keine Lieder“.

Mit der Augenklappe, die mir Chari aus der Apotheke besorgte, ging es einigermaßen gut.

Als ich vor dem Badezimmerspiegel in unserem Zimmer stand, nahm ich die Augenklappe ab und verdeckte damit das rechte Auge. Dieses Gefühl zu wissen, dass das eine Auge geöffnet ist und trotzdem nichts zu sehen, ist schwer in Worte zu fassen.

Wenn Ihr Eure Augen schließt und es dunkel ist, ist es immer noch bei weitem heller als das, was ich sah.


Gut, ich war nun auf einem Auge blind...

Die Augenärztin fuchtelte total begeistert mit dem Wattestäbchen über die Skleren meines linken Auges und fragte immer wieder total fassungslos, ob ich auch wirklich nichts fühlte. Sie hätte mir 10 Nadeln hineinstechen können, ich hätte es nicht bemerkt und auch keinen Schmerz verspürt. Es hat lange gedauert, bis ich wieder etwas sehen konnte. Es endete im Prinzip so, wie es anfing. Langsam nahm ich wieder Schatten wahr. Und bald konnte ich durch einen milchigen Nebel hindurch auch wieder Farben erkennen.
Witzigerweise aber nur die Farben Rot und Grün. Wobei ich das Grüne als Rot sah und das Rote als Grün. Ich hoffe, dass meine Forschungsarbeiten in diesem Gebiet abgeschlossen sind.


Im Krankenhaus wurde mir Copaxone (ein immunmodulatorischer Arzneistoff, der zur Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose eingesetzt wird) ans Herz gelegt.

Nachdem ich ja Rebif 44 und 22, sowie Avonex schon hinter mir hatte und mich dieser Schub doch recht erschreckte, ließ ich mich darauf ein und spritzte mir nun täglich Copaxone.

Die Nebenwirkungen waren dem Rebif sehr ähnlich, einschließlich der Gewebsverhärtung.

Avonex ist ebenfalls dem Rebif gleichgesetzt, mit dem Unterschied, dass es mir einmal die Woche von meinem Neurologen IM gespritzt (intramuskulär) wurde. Die Folge waren Gangstörungen und Schmerzen.


Auch die Copaxone gab ich relativ schnell wieder auf.

 

 

 

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2008 Daniela Pellen (Bauer)