2006


Dezember - Januar 2006

Kurz vor Beginn der Weihnachtszeit, in der sich alle den Bauch vollschlagen und sich gleichzeitig Gedanken über ihre Bikinifigur machen, blieb ich von solchen Gewissensbissen verschont. Die Pizza, die ich mir bestellte, schmeckte versalzen. Ich legte sie beiseite und machte mich über den Pudding her, der ebenfalls versalzen war. Um diesen widerlichen Geschmack loszuwerden, nahm ich einen erfrischenden Schluck Wasser und spuckte dieses Gesöff umgehend wieder aus. Eine Pizza zu versalzen, okay, kann passieren. Einen Pudding zu versalzen, macht mich ärgerlich. Aber wie um alles in der Welt, kommt Salz in eine Flasche Mineralwasser? Am nächsten Tag saß ich bei meinem Arzt und bekam meine Cortisoninfusion. Dieser Schub legte meine Geschmacksnerven lahm. Somit nahm ich innerhalb kürzester Zeit 7 Kilo ab! Nicht, dass mich dieses Ergebnis gestört hätte, nur der Weg dorthin war einfach grausam. Alles was ich in den Mund nahm, schmeckte nach Salz. Von der Zahnpasta angefangen, bishin zum erwähnten Mineralwasser. Ich schlussfolgerte, für mich durchaus plausibel, dass ich bei den Mahlzeiten einfach das Salz wegzulassen hatte. Weit gefehlt, salzlose Kartoffeln schmeckten wie Pappe. Eigentlich schmeckte alles nach Pappe. Nicht, dass ich zuvor schonmal Pappe gegessen hätte um diesen Vergleich ziehen zu können, aber so stellte ich es mir vor. Ich weiß nicht mehr wie lang genau dieser Schub anhielt, meinem Empfinden nach war es viel zu lange. Ich schätze so ca. 6-8 Wochen. Ich ernährte mich in der Zeit von schwarzem Kaffee und Zigaretten. Jetzt werden sich viele Leute fragen, warum ich mich nicht dazu durchringen konnte, wenigstens irgendetwas zu essen.

Dazu kann ich nur sagen:

Man nehme jeden Morgen, zwei gut gehäufte Teelöffel Salz und stecke sie sich genüsslich in den Mund und dann bitte umgehend einen Apfel essen. Der Geschmack des Apfels wird nicht mal ansatzweise vorhanden sein.

Einfach alles schmeckte nach Salz, bzw. Pappe. Selbst mein eigener Speichel löste in mir Würgereize aus. Nach ca. 2 Wochen der unfreiwilligen Fastenzeit, sah ich aus wie ein blutrünstiges Kaninchen. Dass ich mich nicht auch noch genauso verhielt, war nur meiner Selbstbeherrschung zu verdanken.

Anfang 2007 saß ich bei meinem Arzt und lauschte den Worten der Arzthelferin, die mir meine Blutuntersuchungsergebnisse herunterbetete und mich inständig bat doch weniger Salz zu essen.

Man sagt mir eine gewisse Schlagfertigkeit nach, in diesem Moment jedoch schaute ich sie nur dummgrinsend an.

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2008 Daniela Pellen (Bauer)