2017

 

Ruhe an der MS-Front!

Nach dem Medikamenten-Inferno vom letzten Jahr hatte ich ordentlich zugenommen. Das ist der große Nachteil von Muskelrelaxantien, sie legen nicht nur die Muskeln, sondern gesamten Stoffwechsel lahm.
Nachdem ich sämtliche Medikamente abgesetzt hatte, ging das Gewicht in einer Tour nach unten.
Nun sind die Waage und ich wieder Freunde.

Insgesamt sind 17 Kilo runter!

Die Narben der OP gehen langsam aber sicher zurück, brauchen aber noch drei mal am Tag intensive Pflege, in Form von cremen, cremen, cremen und leicht einmassieren.

Ich bin zufrieden.

Jetzt kann ich endlich wieder Sport treiben, das hat mir schon recht gefehlt.

Ich muss ganz dringend meine Muskeln aufbauen.
Vor allem die Waden- und Oberschenkelmuskulatur ist verkürzt. Die lange Zeit der Zwangsevakuierung auf dem Sofa fordert ihren Tribut, doch ich bin zuversichtlich.

 

Donnerstag, 06.Juli 2017


Meine rechte Fußsohle ist taub. Es fühlt sich an, als ob sich unter meinem Fuß eine dünne Plastikschicht gebildet hätte. 

 

Samstag, 08. Juli 2017


Der linke Fuß ist nun auch in Plastik gehüllt. Das Laufen ist sehr anstrengend.

Im Laufe der Woche hat sich das Taubheitsgefühl bis zu meinen Oberschenkeln hinauf gearbeitet. 

 

 

Dienstag, 18. Juli

 

Da die Missempfindungen nicht rückläufig sind, brachte mich der Günter heute ins Krankenhaus. Das übliche blablabla, sprich Untersuchungen, mit anschließender Cortison-Infusion. Aus Erfahrung wird frau klug und so bestand ich darauf, dass der Venflon für die nächsten drei Tage drin blieb. Das war auch nur möglich, weil ich versicherte, dass meine Frau Krankenschwester ist und im Notfall den Venflon ziehen kann, ohne dass ich verblute. 

Die zweite Infusion lief schleppend, bei der dritten Infusion lief gar nichts mehr. Also musste der Venlon gezogen werden. Zu meiner großen Überraschung und Freude, schaffte es die Krankenschwester die Nadel auf Anhieb völlig schmerzfrei, schon fast unmerklich zu legen. Der Cortison Martini lief flott durch, doch seither fühle ich mich geschüttelt und gerührt. Das Schwindelgefühl nervt, nervt, nervt, 
Zumindest weiß ich jetzt, wo der Schwankschwindel herkommt. Entzündungsherde im Hirnstamm sind schuld. Die chronischen Nackenschmerzen sind auf Entzündungsherde im Halsmark zurückzuführen.

 

Mein Sprachzentrum war bis auf das nötigste reduziert. 

Hinzu kamen diverse Schmerzen in den Beinen, Nacken, Kopf, Gesicht, Hände.

Schmerztabletten halfen da leider nicht weiter, ein Segen konnte ich schlafen. Ich habe sehr viel geschlafen, so viel geschlafen habe ich schon lange nicht mehr.

 

Dieser Schub hatte sich wie bei vielen anderen Schüben auch durch extreme Kopfschmerzen schon Wochen vorher angekündigt. 

 

Nicht, dass ich es je gebraucht hätte, aber im Moment kommt mir das alles ziemlich ungelegen. Die Proben für unsere Lesung stehen an und ich bin für das Staging verantwortlich.

 

Doch mein Motto seit der MS ist "wird schon schief gehen."

Und solange ich es bin, die schief geht, ist alles im grünen Bereich. 

 

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2008 Daniela Pellen (Bauer)