Oh Mann

 

Man wirft dem männlichen Exemplar Mensch gerne das Aussetzen des Denkapparates vor, sobald es des weiblichen Gegensatzes Mensch ansichtig wird. Gehirnzellen formieren sich und bilden eine schleimig zähe Masse, die auf direktem Wege, geradezu fluchtartig, das heimatliche Gehirnrevier verlässt, um sich gerecht auf die zwei Ersatzköpfe in der Lendengegend zu verteilen. Eigentlich ganz schön pfiffig. Wenn Mann was macht, dann macht Mann es auch richtig. Auf der einen Seite besitzen Männer, trotz des vorübergehenden Gehirnzellenverlustes, die Gabe durch bestimmte Verhaltensweisen auf ihre Person unmissverständlich aufmerksam zu machen. Hierzu gehören, situationsbedingt, das Pfeifen, gegenseitiges zustimmendes Grunzen, sofern sie im Rudel auftreten, betont männliches, lautes Lachen und nicht zu vergessen, das überhaupt Wichtigste, die Präsenz ihrer unabdingbaren, heiligen und nicht zu übersehenden Männlichkeit. Eben das was ein richtiges Zuchtmännchen ausmacht und sie vom Erbgutempfängerweibchen unterscheidet, dem Body. Muskeln sind die Zierde des Männleins, sie zeugen von Stärke, sind der Ausdruck des obligatorischen Beschützerinstinktes und bei jedem Umzug gern gesehen. Man könnte meinen, dass zum Beispiel Waschmaschinen absichtlich von Männern so konstruiert wurden, um den alleinigen Transport durch Weibchenhand unmöglich zu machen. Auch die Reparatur einer solchen Waschmaschine wird zumeist von Mann-Menschen ausgeführt. Hier wird dem Weibelein eindeutig vermittelt, dass es ohne männliche Mannesmuskeln quasi aufgeschmissen wäre und dass das technische Verständnis zur Rehabilitation einer Waschmaschine nur durch das Eingreifen des logisch denkenden Samensammelforums im Haupte eines Mannes ihren Sitz hat. Merkwürdig ist hierbei allerdings, dass Männer zweifelsohne die göttliche Gabe besitzen, Waschmaschinen zu bauen, zu tragen, zu heilen, jedoch vom zweckmäßigen Gebrauch einer solchen überhaupt keine Ahnung haben. Die geballte Muskelkraft des Männchens scheint allerdings nachzulassen, sobald sie vom Befehlshaberweibchen die Order bekommen, den Müll in den dafür vorgesehenen Behälter zu entsorgen. Reparaturen im Haushaltsgefilde werden, auch auf mehrmaligem Drängen des Weibchens hin, nur selten und wenn dann auch nur mit männlichem Unlustgegrunze ausgeführt. Zumal mache es den Anschein, dass Männer ihre Berufung dahingehend sehen, Dinge zu reparieren, die im eigentlichen Sinne in keinster Art und Weise einer Reparatur bedürfen, und das solange bis sie endlich kaputt sind. Das Frauchen hat daraufhin die freudige Aufgabe einen Fachmann zu konsultieren, der die „kaputt-reparier“- Versuche des Herren des Hauses zu beheben versucht. Sobald dies geschehen ist, wird das reparierte Sachgut vom Kaputtmacher mit fachmännischem Unsachverständnis in Augenschein genommen. Sind seinerseits keinerlei Mängel an den Reparaturkünsten des Handwerkers, Elektrikers, Klempners, je nachdem, auszumachen, wird die Höhe der Rechnung beanstandet. Die Verbindung Werkzeugkoffer-zuviel Freizeit, ist eine recht fatale Angelegenheit und führt derweilen zu diversen Nervenzusammenbrüchen des Frauchens, nicht nur in Bezug auf die gerade genannte Situation. Es ist der Hausherrin anzuraten den Erste Hilfe Koffer auf Vollständigkeit hin zu überprüfen. Meine Damen, bitte machen Sie sich gar nicht erst die Mühe den Werkzeugkoffer im Eigenheim zu verstecken. Männchen können Eisenwaren instinktiv aufspüren. Das handwerkliche Geschick kommt überraschenderweise meist dann zu Tage, wenn es darum geht einem Fremdweibchen bei diversen Reparaturen behilflich zu sein. Beobachten Sie, wie sich ihr Männe mit kühlem Kopf über die beschädigten Alltagsgüter hermacht, um sie in Handumdrehen wieder ihrer Ursprungsfunktion zurückzuführen. An den wärmeren Tagen werden Reparaturen im Fremdhaushalt gerne im Muskel-Shirt vollzogen. Und dabei ist es völlig gleich, ob der Herr unter Bauchansatz leidet oder muskelmäßig nicht von einer grazilen Gazelle zu unterscheiden ist. Äußerliche Veränderungen der Weibchenpartnerin werden vom Männchenpartner schnellstens mit Unbill zur Kenntnis genommen. Mit männlichem Einfühlungsvermögen wird dem fräulichen Geschöpf klargemacht, dass sie sich einer Diät zu unterziehen hat. Dass er jedoch im Laufe der Jahre seine Muskeln gegen Fettanlagerungen eingetauscht hat, scheint jedem aufzufallen, nur nicht ihm. Hosen, die vor 10 Jahren noch passten und nun an allen Ecken und Kanten kneifen, sind unweigerlich auf die nicht vorhandenen Waschkünste der Liebsten zu schließen. Klar, die Hose ist eingelaufen, dass er im wahrsten Sinne des Wortes „ausgelaufen“ ist, kommt ihm nicht in den Sinn. Kommen wir von der reparierenden Begabung des Männleins auf seine kämpferische Ader zu sprechen. Der Bierkonsum in rauen Mengen ist dem Manne zu eigen. Es verstärkt seine sprachgemäße Lautstärke und seine Muskeln scheinen nach 5 Gläsern Bier, überdimensional anzuschwellen. Er entpuppt sich in bierkonsumierender Gesellschaft zu einem wahren Alleinunterhalter. Sie werden bei ihrem Mann eine ganz neue Seite kennenlernen. Er kann reden! Am nächsten Morgen jedoch ist sein Vokabular bis auf einige undefinierbaren Silben, erschöpft. Kopfschmerzen führen, nach Ansicht des Herrn, am Tag danach, oder bei leichten Erkältungen, unweigerlich zum Tode. Von Gott gepeinigt liegt er im Bette und macht durch silbenförmige Äußerungen auf seine missliche Situation aufmerksam. Dramaturgische Exzesse, unbeschreiblich traumatische Dinge, spielen sich ab. Frau weiß nicht, ob sie den Notarzt, Tierarzt, die anonymen Alkoholiker oder besser gleich den Bestatter telefonisch kontaktieren soll. Bei genauerer Überlegung, würde der Notarzt schmunzelnd und kopfschüttelnd den Patienten mit einer Aspirin abfertigen, ohne jegliche chirurgischen Eingriffe, der des Mannes Meinung nach, von Nöten wäre. Der Tierarzt würde wahrscheinlich darauf hinweisen, dass er keine Kleintiere behandelt. Die anonymen Alkoholiker würden ihm einen Beratungstermin für den folgenden Montag geben, nur wird ihr Mann wahrscheinlich bis dahin, seinem Leiden erlegen sein. Der Bestatter wiederum, würde sich mit einem Kasten Bier an das Bett Ihres Mannes setzen und abwarten.

 

© Daniela Pellen (Bauer)

 

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2008 Daniela Pellen (Bauer)